Das Netzwerk Niederkassel für Demokratie hatte im Rahmen der Internationalen Wochen gegen Rassismus am 26. März 2026 alle Einwohnerinnen und Einwohner zu einer abendlichen Fotoaktion und einem offenen Netzwerktreffen eingeladen. Ziel der Aktionswochen ist es, ein deutliches Zeichen gegen Rassismus und Diskriminierung zu setzen sowie eine Kultur der Menschenrechte, Vielfalt und Solidarität zu fördern. Das diesjährige Motto lautet: „100% Menschenwürde. Zusammen gegen Rassismus und Rechtsextremismus.“ Bundesweit fanden über 5.000 Veranstaltungen statt – mehrere davon auch im Rhein-Sieg-Kreis.

Die Vorbereitungen für die Niederkasseler Veranstaltung – das Malen des Mottos in großen, einzelnen Buchstaben – wurden mit viel Fantasie und Freude beim Bunten Café am 19. März getroffen.
Rund 30 Teilnehmerinnen und Teilnehmer trafen sich am 26. März vor der Maria-Magdalena-Kirche und setzten dort das Motto mit den bunten Buchstaben sichtbar in Szene. Die Aktion wurde fotografisch festgehalten.

Nicht rassistisch sein zu wollen, ist ein guter Anfang
Anschließend hatten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer Gelegenheit, sich in der Kirche über persönliche Erfahrungen mit Rassismus und Rechtsextremismus, über gesellschaftliche Entwicklungen und über gemeinsame Handlungsmöglichkeiten auszutauschen – bis hin zu Empfehlungen wichtiger Bücher. Diskutiert wurden Fragen wie: Was kann ich tun, wenn ein Nachbar sein WLAN „Remigration“ nennt? Wie treffe ich verantwortungsvoll Entscheidungen als Vermieterin oder Vermieter? Wie wirken soziale Medien, und welche Schlüsse lassen sich aus den letzten Wahlergebnissen ziehen? Besonders im Fokus stand auch die Frage, wie junge Menschen künftig noch besser erreicht werden können.
Als kleine Merkliste für Handlungsmöglichkeiten fasste Ulrich Buchholz, der den Abend gemeinsam mit Ulrike Emmer moderierte, folgende Punkte zusammen:
- Nicht rassistisch sein zu wollen, ist ein guter Anfang.
- Misch dich ein, aber gefährde dich nicht.
- Achte auf die Sprache und hilf mit, dass rechtsradikale Begriffe nicht salonfähig werden.
- Schaffe Möglichkeiten, damit Jugendliche und alle Einwohner:innen Selbstwirksamkeit erfahren können.
- Bleib dran an dem Thema.
Den folgenden Gedanken wollten die Moderator:innen als Abschluß des Teils über Rassismus und Handlungsmöglichkeiten gerne teilen:
„ES SIND NICHT
UNSERE UNTERSCHIEDE,
DIE UNS TRENNEN.
ES IST UNSERE
UNFÄHIGKEIT,
DIESE UNTERSCHIEDE
ZU ERKENNEN,
ZU AKZEPTIEREN
UND SIE ZU FEIERN.“
“It is not our differences that divide us.
It is our inability to recognize, accept, and celebrate those differences.”
AUDRE LORDE
AUDRE LORDE (1934 – 1992) war eine US-amerikanische Schriftstellerin und Aktivistin, die zu einer der wichtigsten Theoretikerinnen der Frauenbewegung der 1970er und 1980er Jahre wurde. Ihre Arbeit konzentriert sich insbesondere auf die von Rassismus, Sexismus und Homophobie ausgehenden Ungerechtigkeiten. Zwischen 1984 und 1992 verbrachte sie einige Zeit in Berlin. Sie bezeichnete sich selbst als „schwarz, lesbisch, Feministin, Kriegerin, Dichterin, Mutter“.
Zum Netzwerk Niederkassel für Demokratie
Im abschließenden Teil des Abends wurde über die Arbeitsweise des Netzwerks informiert und wichtige Aktionen für 2026 vorgestellt:
- am 23. Mai das Grundgesetz feiern (mehr Infos),
- Bierdeckelgespräche ausprobieren (mehr dazu),
- gemeinsam mit der Jugendförderung der Stadt sowie anderen Initiativen und Vereinen das Weltkindertagsfest am 27. September feiern,
- das Bühnenprojekt ONLY HUMAN im Oktober 2026 nach Niederkassel holen,
- am 9. November Stolpersteine putzen und an der ehemaligen Synagoge Mondorf gedenken (Aktion 2025) sowie
- Aktionen zur Landtagswahl NRW am 25. April 2027 vorbereiten.
Alle, die das Selbstverständnis des Netzwerks teilen, sind herzlich eingeladen, an diesen Aktionen mitzuwirken oder eigene Ideen einzubringen.
Hintergrund: Das Netzwerk Niederkassel für Demokratie ist im Januar 2024 aus einer gemeinsamen Demonstration gegen das Erstarken des Rechtsextremismus hervorgegangen. Es arbeitet überparteilich und unabhängig als offene Initiative von Einwohnerinnen und Einwohnern. Organisiert und koordiniert wird das Engagement von einem Kernteam, das in größeren Abständen zu Netzwerktreffen einlädt.
Termine: Das nächste Bunte Café Niederkassel, ein Projekt des Netzwerks, findet am Donnerstag, 16. April 2026, ab 18 Uhr im Pfarrheim St. Laurentius in Mondorf statt.
Mehr Infos: Wer mitmachen oder mehr erfahren möchte, kann sich per E-Mail an post@niederkassel-fuer-demokratie.de wenden oder die Website des Netzwerks besuchen: www.niederkassel-fuer-demokratie.de
Lesetipps:
- Alice Hasters: Was weisse Menschen nicht über Rassismus hören wollen aber wissen sollten. hanserblau, 10. Auflage 2020
- Tupoka Ogette: Trotzdem Zuhause. Penguin, 2026
- Beim Vorbereiten haben wir in dieser Amnesty Broschüre gestöbert.
- Die Stiftung gegen Rassismus hat diese Broschüre mit Impulsen veröffentlicht.
- Unsere allererste Idee für diesen Abend war, diesen Film zu zeigen: Im Osten was Neues.
- Ergänzung: Handreichung „Rassismuskritische Bildung“ des Landesintegrationsrates NRW. November 2024. Die Broschüre bietet konkrete Unterrichtseinheiten ab Klasse 8, flexibel einsetzbar und schulformübergreifend, anschauliche Fallbeispiele und Lebensberichte, die Perspektiven Betroffener sichtbar machen, methodisch vielfältige Zugänge (Filmanalyse, Diskussion, Gruppenarbeit, Reflexion), konkrete Handlungsoptionen, um auf rassistische Situationen im Schulalltag angemessen zu reagieren, didaktisch aufbereitete Materialien, die sofort im Unterricht einsetzbar sind. Hier finden Sie einen Einblick in die Broschüre. Ein kostenfreies Exemplar kann per Mail an info@landesintegrationsrat.nrw bestellt werden.
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